Joseph II. 79

Mansion Perrier Dita Von Teese

Mansion Perrier Dita Von Teese (Photo credit: cattias.photos)

Joseph II. 79

Geistesheroen oft schon nach dem Tode des einsamen großen
Begründers wieder zerfallen. Aber noch nach Jahrhunder-
ten können diese Gefahren nicht als überwunden gelten, sie
schlummern nur, um oft ganz plötzlich zu erwachen, sobald die
Schwäche der gemeinsamen Leitung und die Kraft der Er-
ziehung, die Erhabenheit aller Tradition, nicht mehr den
Schwung des eigenen Lebensdranges der verschiedenen
Stämme zu überwinden vermag.

Dies nicht begriffen zu haben, ist die vielleicht tragische
Schuld des Hauses Habsburg.

Einem einzigen unter ihnen hielt das Schicksal noch ein-
mal die Fackel über die Zukunft seines Landes empor, dann
verlosch sie für immer.

Bundesarchiv Bild 183-86388-0001, Berlin, Maue...

Bundesarchiv Bild 183-86388-0001, Berlin, Mauerbau, Freiwilligenrekrutierung (Photo credit: Wikipedia)

Joseph IL, römischer Kaiser der deutschen Nation, sah in
fliegender Angst, wie sein Haus, auf die äußerste Kante des
Reiches gedrängt, dereinst im Strudel eines Völkerbaby-
lons verschwinden müßte, wenn nicht in letzter Stunde das
Versäumte der Väter wieder gutgemacht würde. Mit über-
menschlicher Kraft stemmte sich der „Freund der Menschen“
gegen die Fahrlässigkeit der Vorfahren und suchte in einem
Jahrzehnt einzuholen, was Jahrhunderte vordem versäum-
ten. Wären ihm nur vierzig Jahre vergönnt gewesen zu
seiner Arbeit und hätten nach ihm auch nur zwei Genera-
tionen in gleicher Weise das begonnene Werk fortgeführt,
so würde das Wunder wahrscheinlich gelungen sein. Als er
aber nach kaum zehn Jahren Regierung, zermürbt an Leib
und Seele, starb, sank mit ihm auch sein Werk in das Grab,
um, nicht mehr wiedererweckt, in der Kapuzinergruft auf
ewig zu entschlafen.

Austria, Vienna, Capuchin Church, Imperial Cry...

Austria, Vienna, Capuchin Church, Imperial Crypt Русский: Австрия, Вена, Капуцинеркирхе, Императорский склеп Français : Autriche, Vienne, Église des Capucins, Crypte des Capucins Leopoldsgruft (Ezh. Maria Theresia 1684 – 1696, Ezh. Leopold Joseph 1682 – 1684, Kaiser Ferdinand III. 1608 – 1657) (Photo credit: Wikipedia)

Seine Nachfolger waren der Aufgabe weder geistig noch
willensmäßig gewachsen.

Als nun durch Europa die ersten revolutionären Wetter-
zeichen einer neuen Zeit flammten, da begann auch Öster
reich langsam nach und nach Feuer zu fangen. Allein als
der Brand endlich ausbrach, da wurde die Glut schon weni-
ger durch soziale, gesellschaftliche oder auch allgemeine
politische Ursachen angefacht als vielmehr durch Trieb-
kräfte völkischen Ursprungs.

80 Die Auflösung der Donaumonarchie

Die Revolution des Jahres 1848 konnte überall Klassen-
kampf sein, in Österreich jedoch war sie schon der Beginn
eines neuen Rassenstreites. Indem damals der Deutsche,
diesen Ursprung vergessend oder nicht erkennend, sich in
den Dienst der revolutionären Erhebung stellte, besiegelte
er damit sein eigenes Los. Er half mit, den Geist der west-
lichen Demokratie zu erwecken, der in kurzer Zeit ihm die
Grundlagen der eigenen Existenz entzog.

Kapuzinergruft, Wien, Sarkophag Franz I., Kais...

Kapuzinergruft, Wien, Sarkophag Franz I., Kaiser von Österreich (1768–1835), im Hintergrund Sarkophag Kaiserin Maria Theresia (Photo credit: Wikipedia)

Mit der Bildung eines parlamentarischen Vertretungs-
körpers ohne die vorhergehende Niederlegung und Festi-
gung einer gemeinsamen Staatssprache war der Grund-
stein zum Ende der Vorherrschaft des Deutschtums in der
Monarchie gelegt worden. Von diesem Augenblick an war
damit aber auch der Staat selber verloren. Alles, was
nun noch folgte, war nur die historische Abwicklung eines
Reiches.

Diese Auflösung zu verfolgen, war ebenso erschütternd
wie lehrreich. In tausend und aber tausend Formen vollzog
sich im einzelnen diese Vollstreckung eines geschichtlichen
Urteils. Daß ein großer Teil der Menschen blind durch die
Erscheinungen des Zerfalls wandelte, bewies nur den Wil-
len der Götter zu Österreichs Vernichtung.

Kapuzinergruft, Wien, Sarkophag Elisabeth, Kai...

Kapuzinergruft, Wien, Sarkophag Elisabeth, Kaiserin von Österreich (1837–1898), Franz Joseph I., Kaiser von Österreich (1830–1916), Kronprinz Rudolf (1858–1889) (Photo credit: Wikipedia)

Ich will hier nicht in Einzelheiten mich verlieren, da
dies nicht die Aufgabe dieses Buches ist. Ich will nur jene
Vorgänge in den Kreis einer gründlicheren Betrachtung
ziehen, die als immer gleichbleibende Ursachen des Ver-
falles von Völkern und Staaten auch für unsere heutige
Zeit Bedeutung besitzen, und die endlich mithalfen, meiner
politischen Denkweise die Grundlagen zu sichern.

Unter den Einrichtungen, die am deutlichsten die Zerfres-
sung der österreichischen Monarchie auch dem sonst nicht mit
scharfen Augen gesegneten Spießbürger aufzeigen konnten,
befand sich an der Spitze diejenige, die am meisten Stärke
ihr eigen nennen sollte – das Parlament oder, wie es in
Österreich hieß, der Reichsrat.

Der Parlamentarismus 81

The newly completed Ringstraße with Parliament...

The newly completed Ringstraße with Parliament (1900) (Photo credit: Wikipedia)

Ersichtlich war das Muster dieser Körperschaft in Eng-
land, dem Lande der klassischen „Demokratie“, gelegen.
Von dort übernahm man die ganze beglückende Anordnung
und setzte sie so unverändert als möglich nach Wien.

Im Abgeordneten- und Herrenhaus feierte das englische
Zweikammersystem seine Wiederauferstehung. Nur die
„Häuser“ selber waren etwas verschieden. Als Barry einst
seinen Parlamentspalast aus den Fluten der Themse her-
auswachsen ließ, da griff er in die Geschichte des britischen
Weltreichs hinein und holte sich aus ihr den Schmuck für
die 1200 Nischen, Konsolen und Säulen seines Prachtbaues
heraus. In Bildwerk und Malerkunst wurde so das Haus
der Lords und des Volkes zum Ruhmestempel der Nation.

Joseph Arthur & the Lonely Astronauts

Joseph Arthur & the Lonely Astronauts (Photo credit: tnarik)

Hier kam die erste Schwierigkeit für Wien. Denn als der
Däne Hansen die letzten Giebel am Marmorhaus der neuen
Volksvertretung vollendet hatte, da blieb ihm auch zur
Zierde nichts anderes übrig, als Entlehnungen bei der An-
tike zu versuchen. Römische und griechische Staatsmänner
und Philosophen verschönern nun dieses Theatergebäude
der „westlichen Demokratie“, und in symbolischer Ironie
ziehen über den zwei Häusern die Quadrigen nach den vier
Himmelsrichtungen auseinander, auf solche Art dem da-
maligen Treiben im Innern auch nach außen den besten
Ausdruck verleihend.

Die „Nationalitäten“ hatten es sich als Beleidigung und
Provokation verbeten, daß in diesem Werke österreichische
Geschichte verherrlicht würde, so wie man im Reiche selbst
ja auch erst unter dem Donner der Weltkriegsschlachten
wagte, den Wallotschen Bau des Reichstags durch Inschrift
dem deutschen Volke zu weihen.

Hetzendorf Bahnhof Kaiserpaar 1916

Hetzendorf Bahnhof Kaiserpaar 1916 (Photo credit: Wikipedia)

Als ich, noch nicht zwanzig Jahre alt, zum erstem Male
in den Prachtbau am Franzensring ging, um als Zuschauer
und Hörer einer Sitzung des Abgeordnetenhauses beizu-
wohnen, ward ich von den widerstrebendsten Gefühlen er-
faßt.

Ich hatte schon von jeher das Parlament gehaßt, jedoch
durchaus nicht als Institution an sich. Im Gegenteil, als
freiheitlich empfindender Mensch konnte ich mir eine andere

82 Der Parlamentarismus

Möglichkeit der Regierung gar nicht vorstellen, denn der

Austria, Vienna, Capuchin Church, Imperial Cry...

Austria, Vienna, Capuchin Church, Imperial Crypt Русский: Австрия, Вена, Капуцинеркирхе, Императорский склеп Français : Autriche, Vienne, Église des Capucins, Crypte des Capucins Kapuzinergruft, Wien, Sarkophag Zita von Bourbon-Parma, Kaiserin von Österreich (1892–1989) (Photo credit: Wikipedia)

Gedanke irgendeiner Diktatur wäre mir bei meiner Hal-
tung zum Hause Habsburg als Verbrechen wider die Frei-
heit und gegen jede Vernunft vorgekommen.

Nicht wenig trug dazu bei, daß mir als jungem Men-
schen infolge meines vielen Zeitungslesens, ohne daß ich
dies wohl selber ahnte, eine gewisse Bewunderung für das
englische Parlament eingeimpft worden war, die ich nicht
so ohne weiteres zu verlieren vermochte. Die Würde, mit
der dort auch das Unterhaus seinen Aufgaben oblag (wie
dies unsere Presse so schön zu schildern verstand), impo-
nierte mir mächtig. Konnte es denn überhaupt eine erhabe-
nere Form der Selbstregierung eines Volkstums geben?

Kapuzinergruft, Wien, Sarkophag Kaiser Karl VI...

Kapuzinergruft, Wien, Sarkophag Kaiser Karl VI., Detail (Photo credit: Wikipedia)

Gerade deshalb aber war ich ein Feind des österreichi-
schen Parlaments. Ich hielt die Form des ganzen Auf-
tretens für unwürdig des großen Vorbildes. Nun trat aber
noch folgendes hinzu:

Das Schicksal des Deutschtums im österreichischen Staate
war abhängig von seiner Stellung im Reichsrat. Bis zur
Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts war
noch eine, wenn auch unbedeutende deutsche Majorität im
Parlament vorhanden. Schon dieser Zustand war bedenk-
lich, da bei der national unzuverlässigen Haltung der So-
zialdemokratie diese in kritischen, das Deutschtum betref-
fenden Fragen – um sich nicht die Anhänger in den ein-
zelnen Fremdvölkern abspenstig zu machen – immer gegen
die deutschen Belange auftrat. Die Sozialdemokratie konnte
schon damals nicht als deutsche Partei betrachtet werden.
Mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts aber
hörte die deutsche Überlegenheit auch rein ziffernmäßig
auf. Nun war der weiteren Entdeutschung des Staates kein
Hindernis mehr im Wege.

Eidesformeln Mecklenburg-Guestrow 03

Eidesformeln Mecklenburg-Guestrow 03 (Photo credit: Wikipedia)

Der nationale Selbsterhaltungstrieb ließ mich schon da-
mals aus diesem Grunde eine Volksvertretung wenig
lieben, in der das Deutschtum immer statt vertreten
verraten wurde. Allein dies waren Mängel, die, wie so
vieles andere eben auch, nicht der Sache an sich, sondern
dem österreichischen Staate zuzuschreiben waren. Ich

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3 Antworten zu Joseph II. 79

  1. Nasi Chaim Dönitz einzig wahrer Freund der Juden auf der Welt schreibt:
  2. nasichaim schreibt:

    Schluß mit dem Volksbetrug durch Chaoten wie die GERMANITER rund um Frau Ulrike Kuklinski, Jörg Erdmansky, Professor Dr. Axel Thiesmeier („Der Wolkenschiber“), der Justizopferhilfe JOH-NRW und Ringvorsorge.

    http://www.propagazzi.com/html/reichskriegsflagge.html

    Stoppt die kriminelle Abzockerbande!!!

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