Der Parlamentarismus 83

Die Zeit

Die Zeit (Photo credit: Wikipedia)

Der Parlamentarismus 83

glaubte früher noch, daß mit einer Wiederherstellung der
deutschen Mehrheit in den Vertretungskörpern zu einer
prinzipiellen Stellungnahme dagegen kein Anlaß mehr vor-
handen wäre, solange der alte Staat eben überhaupt noch
bestünde.

So also innerlich eingestellt, betrat ich zum ersten Male
die ebenso geheiligten wie umstrittenen Räume. Allerdings
waren sie mir nur geheiligt durch die erhabene Schönheit
des herrlichen Baues. Ein hellenisches Wunderwerk auf
deutschem Boden.

In wie kurzer Zeit aber war ich empört, als ich das
jämmerliche Schauspiel sah, das sich nun unter meinen
Augen abrollte!

Es waren einige Hundert dieser Volksvertreter an-
wesend, die eben zu einer Frage von wichtiger wirtschaft-
licher Bedeutung Stellung zu nehmen hatten.

Mir genügte schon dieser erste Tag, um mich zum Denken
auf Wochen hindurch anzuregen.

Der geistige Gehalt des Vorgebrachten lag auf einer
wahrhaft niederdrückenden „Höhe“, soweit man das Ge-
rede überhaupt verstehen konnte; denn einige der Herren
sprachen nicht deutsch, sondern in ihren slawischen Mutter-
sprachen oder besser Dialekten. Was ich bis dahin nur aus
dem Lesen der Zeitungen wußte, hatte ich nun Gelegen-
heit, mit meinen eigenen Ohren zu hören. Eine gestikulie-
rende, in allen Tonarten durcheinander schreiende, wild-
bewegte Masse, darüber einen harmlosen alten Onkel, der
sich im Schweiße seines Angesichts bemühte, durch heftiges
Schwingen einer Glocke und bald begütigende, bald ermah-
nende ernste Zurufe die Würde des Hauses wieder in Fluß
zu bringen.

Ich mußte lachen.

Einige Wochen später war ich neuerdings in dem Hause.
Das Bild war verändert, nicht zum Wiedererkennen. Der
Saal ganz leer. Man schlief da unten. Einige Abgeordnete
waren auf ihrem Plätzen und gähnten sich gegenseitig an,
einer „redete“. Ein Vizepräsident des Hauses war an-
wesend und sah ersichtlich gelangweilt in den Saal.

84 Der Parlamentarismus

Die ersten Bedenken stiegen mir auf. Nun lief ich, wenn
mir die Zeit nur irgendwie die Möglichkeit bot, immer wie-
der hin und betrachtete mir still und aufmerksam das
jeweilige Bild, hörte die Reden an, soweit sie zu verstehen
waren, studierte die mehr oder minder intelligenten Ge-
sichter dieser Auserkorenen der Nationen dieses traurigen
Staates – und machte mir dann allmählich meine eigenen
Gedanken.

Ein Jahr dieser ruhigen Beobachtung genügte, um meine
frühere Ansicht über das Wesen dieser Institution aber auch
restlos zu ändern oder zu beseitigen. Mein Inneres nahm
nicht mehr Stellung gegen die mißgestaltete Form, die die-
ser Gedanke in Österreich angenommen hatte; nein, nun
konnte ich das Parlament als solches nicht mehr anerken-
nen. Bis dahin sah ich das Unglück des österreichischen Par-
laments im Fehlen einer deutschen Majorität, nun aber
sah ich das Verhängnis in der ganzen Art und dem Wesen
dieser Einrichtung überhaupt.

Eine ganze Reihe von Fragen stieg mir damals auf.

Ich begann mich mit dem demokratischen Prinzip der
Mehrheitsbestimmung, als der Grundlage dieser ganzen
Einrichtung, vertraut zu machen, schenkte aber auch nicht
weniger Aufmerksamkeit den geistigen und moralischen
Werten der Herren, die als Auserwählte der Nationen
diesem Zwecke dienen sollten.

So lernte ich Institutionen und Träger derselben zugleich
kennen.

Im Verlauf einiger Jahre bildete sich mir dann in
Erkenntnis und Einsicht der Typ der würdevollsten Er-
scheinung der neueren Zeit in plastischer Deutlichkeit aus:
der Parlamentarier. Er begann sich mir einzuprägen in
einer Form, die niemals mehr einer wesentlichen Ände-
rung unterworfen wurde.

Auch dieses Mal hatte mich der Anschauungsunterricht
der praktischen Wirklichkeit davor bewahrt, in einer Theorie
zu ersticken, die auf den ersten Blick so vielen verfüh-
rerisch erscheint, die aber nichtsdestoweniger zu den Ver-
fallserscheinungen der Menschheit zu rechnen ist.

Der Parlamentarismus 85

Die Demokratie des heutigen Westens ist der Vorläufer
des Marxismus, der ohne sie gar nicht denkbar wäre. Sie
gibt erst dieser Weltpest den Nährboden, auf dem sich dann
die Seuche auszubreiten vermag. In ihrer äußeren Aus
drucksform, dem Parlamentarismus, schuf sie sich noch
eine „Spottgeburt aus Dreck und Feuer“, bei der mir
nur leider das „Feuer“ im Augenblick ausgebrannt zu
sein scheint.

Ich muß dem Schicksal mehr als dankbar sein, daß es
mir auch diese Frage noch in Wien zur Prüfung vorlegte,
denn ich fürchte, daß ich mir in Deutschland damals die
Antwort zu leicht gemacht haben würde. Hätte ich die Lä-
cherlichkeit dieser Institution, „Parlament“ genannt, zuerst
in Berlin kennengelernt, so würde ich vielleicht in das
Gegenteil verfallen sein und mich, nicht ohne scheinbar guten
Grund, auf die Seite derjenigen gestellt haben, die des
Volkes und Reiches Heil in der ausschließlichen Förderung
der Macht des Kaisergedankens allein erblickten und so der
Zeit und den Menschen dennoch fremd und blind zugleich
gegenüberstanden.

In Österreich war dies unmöglich.

Hier konnte man nicht so leicht von einem Fehler in den
anderen verfallen. Wenn das Parlament nichts taugte,
dann taugten die Habsburger noch viel weniger – auf gar
keinen Fall mehr. Mit der Ablehnung des „Parlamentaris-
mus“ war es hier allein nicht getan; denn dann blieb im-
mer noch die Frage offen: Was nun? Die Ablehnung und
Beseitigung des Reichsrates würde als einzige Regierungs-
gewalt ja nur das Haus Habsburg übriggelassen haben,
ein besonders für mich ganz unerträglicher Gedanke.

Die Schwierigkeit dieses besonderen Falles führte mich
zu einer gründlicheren Betrachtung des Problems an sich,
als dies sonst wohl in so jungen Jahren eingetreten wäre.

Was mir zuallererst und am allermeisten zu denken gab,
war das ersichtliche Fehlen jeder Verantwortlichkeit einer
einzelnen Person.

Das Parlament faßt irgendeinen Beschluß, dessen Folgen
noch so verheerend sein mögen – niemand trägt dafür eine

86 Der Mangel an Verantwortung

Verantwortung, niemand kann je zur Rechenschaft gezogen
werden. Denn heißt dies etwa Verantwortung überneh-
men, wenn nach einem Zusammenbruch sondergleichen die
schuldige Regierung zurücktritt? Oder die Koalition sich
ändert, ja das Parlament sich auflöst?

Kann den überhaupt eine schwankende Mehrheit von
Menschen jemals verantwortlich gemacht werden?

Ist denn nicht der Gedanke jeder Verantwortlichkeit an
die Person gebunden?

Kann man aber praktisch die leitende Person einer Re-
gierung haftbar machen für Handlungen, deren Werden
und Durchführung ausschließlich auf das Konto des Wol-
lens und der Geneigtheit einer Vielheit von Menschen zu
setzen sind?

Oder: Wird nicht die Aufgabe des leitenden Staats-
mannes, statt in der Geburt des schöpferischen Gedankens
oder Planes an sich, vielmehr nur in der Kunst gesehen,
die Genialität seiner Entwürfe einer Hammelherde von
Hohlköpfen verständlich zu machen, um dann deren gütige
Zustimmung zu erbetteln?

Ist dies das Kriterium des Staatsmannes, daß er die
Kunst der Überredung in ebenso hohem Maße besitze wie
die der staatsmännischen Klugheit im Fassen großer Richt-
linien oder Entscheidungen?

Ist die Unfähigkeit eines Führers dadurch bewiesen, daß
es ihm nicht gelingt, die Mehrheit eines durch mehr oder
minder saubere Zufälle zusammengebeulten Haufens für
eine bestimmte Idee zu gewinnen?

Ja, hat denn dieser Haufe überhaupt schon einmal eine
Idee begriffen, ehe der Erfolg zum Verkünder ihrer Größe
wurde?

Ist nicht jede geniale Tat auf dieser Welt der sichtbare
Protest des Genies gegen die Trägheit der Masse?

Was aber soll der Staatsmann tun, dem es nicht gelingt,
die Gunst dieses Haufens für seine Pläne zu erschmeicheln?

Soll er sie erkaufen?

Oder soll er angesichts der Dummheit seiner Mitbürger
auf die Durchführung der als Lebensnotwendigkeiten er-

Die Zerstörung des Führergedankens 87

kannten Aufgaben verzichten, sich zurückziehen, oder soll
er dennoch bleiben?

Kommt nicht in einem solchen Falle der wirkliche Cha-
rakter in einen unlösbaren Konflikt zwischen Erkenntnis
und Anstand oder, besser gesagt, ehrlicher Gesinnung?

Wo liegt hier die Grenze, die die Pflicht der Allgemein-
heit gegenüber scheidet von der Verpflichtung der persön-
lichen Ehre?

Muß nicht jeder wahrhaftige Führer es sich verbitten,
auf solche Weise zum politischen Schieber degradiert zu
werden?

Und muß nicht umgekehrt jeder Schieber sich nun be-
rufen fühlen, in Politik zu „machen“, da die letzte Ver-
antwortung niemals er, sondern irgendein unfaßbarer Haufe
zu tragen hat?

Muß nicht unser parlamentarisches Mehrheitsprinzip zur
Demolierung des Führergedankens überhaupt führen?

Glaubt man aber, daß der Fortschritt dieser Welt etwa
aus dem Gehirn von Mehrheiten stammt und nicht aus
den Köpfen einzelner?

Oder vermeint man, vielleicht für die Zukunft dieser
Voraussetzung menschlicher Kultur entbehren zu können?

Scheint sie nicht im Gegenteil heute nötiger zu sein
als je?

Indem das parlamentarische Prinzip der Majoritäts-
bestimmung die Autorität der Person ablehnt und an deren
Stelle die Zahl des jeweiligen Haufens setzt, sündigt es
wider den aristokratischen Grundgedanken der Natur, wo-
bei allerdings deren Anschauung vom Adel in keinerlei
Weise etwa in der heutigen Dekadenz unserer oberen Zehn-
tausend verkörpert zu sein braucht.

Welche Verwüstungen diese Einrichtung moderner demo-
kratischer Parlamentsherrschaft anrichtet, kann sich freilich
der Leser jüdischer Zeitungen schwer vorstellen, sofern er
nicht selbständig denken und prüfen gelernt hat. Sie ist in
erster Linie der Anlaß für die unglaubliche Überschwem-
mung des gesamten politischen Lebens mit den minder-
wertigsten Erscheinungen unserer Tage. So sehr sich der

88 Die Ausschaltung von Köpfen

wahrhaftige Führer von einer politischen Betätigung zu-
rückziehen wird, die zu ihrem größten Teile nicht in schöp-
ferischer Leistung und Arbeit bestehen kann, als vielmehr
im Feilschen und Handeln um die Gunst einer Mehrheit,
so sehr wird gerade diese Tätigkeit dem kleinen Geist ent-
sprechen und diesen mithin auch anziehen.

Je zwergenhafter ein solcher Lederhändler heute an Geist
und Können ist, je klarer ihm die eigene Einsicht die
Jämmerlichkeit seiner tatsächlichen Erscheinung zum Be-
wußtsein bringt, um so mehr wird er ein System preisen,
das von ihm gar nicht die Kraft und Genialität eines
Riesen verlangt, sondern vielmehr mit der Pfiffigkeit eines
Dorfschulzen vorliebnimmt, ja, eine solche Art von Weis-
heit lieber sieht als die eines Perikles. Dabei braucht solch
ein Tropf sich nie mit der Verantwortung seines Wirkens
abzuquälen. Er ist dieser Sorge schon deshalb gründlich
enthoben, da er ja genau weiß, daß, ganz gleich, wie
immer auch das Ergebnis seiner „staatsmännischen“ Murk-
serei sein wird, sein Ende ja doch schon längst in den
Sternen verzeichnet steht: er wird eines Tages einem an-
deren, ebenso großen Geist den Platz zu räumen haben.
Denn dies ist mit ein Kennzeichen eines solchen Verfalls,
daß die Menge großer Staatsmänner in eben dem Maße
zunimmt, in dem der Maßstab des einzelnen zusammen-
schrumpft. Er wird aber mit zunehmender Abhängigkeit
von parlamentarischen Mehrheiten immer kleiner werden
müssen, da sowohl die großen Geister es ablehnen werden,
die Büttel blöder Nichtskönner und Schwätzer zu sein, wie
umgekehrt die Repräsentanten der Majorität, das ist also
der Dummheit, nicht inständiger hassen als den über-
legenen Kopf.

Es ist immer ein tröstliches Gefühl für solch eine Rats-
versammlung Schildaer Stadtverordneter, einen Führer an
der Spitze zu wissen, dessen Weisheit dem Niveau der An-
wesenden entspricht: hat doch so jeder die Freude, von Zeit
zu Zeit auch seinen Geist dazwischen blitzen lassen zu kön-
nen – und vor allem aber, wenn Hinze Meister sein kann,
warum dann nicht auch einmal Peter?

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Eine Antwort zu Der Parlamentarismus 83

  1. nasichaim schreibt:

    Schluß mit dem Volksbetrug durch Chaoten wie die GERMANITER rund um Frau Ulrike Kuklinski, Jörg Erdmansky, Professor Dr. Axel Thiesmeier („Der Wolkenschiber“), der Justizopferhilfe JOH-NRW und Ringvorsorge.

    http://www.propagazzi.com/html/reichskriegsflagge.html

    Stoppt die kriminelle Abzockerbande!!!

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